Vernichtung von Retouren im Online-Handel führt zu Diskussionen

24.06.2019

Der Online-Handel hat einen starken Einfluss auf Kaufverhalten vieler Menschen ausgeübt. Das Online-Shopping hat sich durch günstige Preise, ein vielfältiges Angebot sowie die Lieferung an die Haustür zum Trend entwickelt – und das alles mit nur wenigen Mausklicks. Während man auf die Vorteile nicht mehr verzichten möchte, ist man sich über die negativen Konsequenzen oft gar nicht im Klaren. Man bestellt sich zum Beispiel drei Paar Schuhe in verschiedenen Größen und schickt die beiden unpassenden wieder zurück. Was dann mit den Schuhen passiert, daran denkt man oft gar nicht mehr. Denn nicht jeder zurückgeschickter Artikel wird wieder zum Verkauf freigegeben.

Die Forschungsgruppe „Retourenmanagement“ der Universität Bamberg stellte bereits im April ihre Forschungsergebnisse vor und stellten fest, dass 3,9% der zurückgeschickten Ware entsorgt oder verschrottet wird. Dies kann unter Umständen auch begründet geschehen, wenn die Ware Transportschäden oder Schädlingsbefall aufweist. Die Vernichtung retournierter Ware betreffe dabei insbesondere Waren mit geringem Wert.

Marie-Luise Dött, die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erklärte dazu: "Wenn man die Zahlen kennt, lässt sich das Problem besser einordnen. Im Übrigen sind auch bei der Entsorgung von Retouren die abfallrechtlichen Bestimmungen zu beachten." Dött erwarte allerdings, dass die aktuelle Situation dahingehend geprüft werde, inwiefern Verbesserungen vorgenommen werden können. Es sei grundsätzlich weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll, neuwertige und voll funktionsfähige Neuware zu vernichten.

Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen, Katrin Göring-Eckart erklärte zu der Vernichtung von Retouren: "Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft. Viele von ihnen werden nach der Rücksendung komplett vernichtet. Dabei handelt es sich um neuwertige Produkte, die voll funktionsfähig sind und höchstens einen Kratzer haben. Sie müssen selbstverständlich wieder in den Kreislauf kommen. Da ist der Staat gefordert."

Dazu stellte sie einen 3-Punkte-Plan der Öffentlichkeit vor, welcher ein Vernichtungsverbot zurückgeschickter Ware vorsieht. Zurückgeschickte Waren sollen demnach verschenkt werden und die verwendeten Rohstoffe sollen dem Wertstoffkreislauf wieder hinzugefügt werden.

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze will sich um das Problem kümmern und kündigte eine Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes an. Dem Ministerium schwebt die Verankerung einer Obhutspflicht vor, um gegen die Vernichtung von Retouren einschreiten zu können.


QUELLE: BVSE



Forschungsergebnisse der Uni Bamberg

Direkter Wiederverkauf als A-Ware (79,0 %)

Wiederverkauf als B-Ware (13,0 %)

Verkauf an externe industrielle Verwerter (2,1 %)

Spenden an gemeinnützige Organisationen (0,9 %)

Entsorgung/Verschrottung (3,9 %)

Sonstiges (1,1 %)



Zur News-Übersicht