Wird Plastik bald europaweit verboten?

30.10.2020

Nach dem Verbot von Strohhalmen und Wattestäbchen will die EU weiter gegen Plastikmüll vorgehen. Ziel sei es, den Verpackungsmüll und das damit verbundene Mikroplastik deutlich einzudämmen.

"Wir wollen die Regeln für Einwegkunststoffe definitiv ausweiten und untersuchen gerade, in welche Richtung das möglich wäre", sagte EU-Kommissar Virginijus Sinkevicius. Eine mögliche Maßnahme wäre die Verwendung von recyceltem Plastik gesetzlich vorzuschreiben. Auch ein generelles Verbot von Einweg-Plastikverpackungen sei denkbar, um Mikroplastik zu verringern.

Das Material findet sich bereits in vielen Alltagsgegenständen, wie bspw. Kosmetikartikeln, Plastikspielzeug und Kassenbons. Die Frage nach der Schädlichkeit von Mikroplastik ist umstritten, allerdings steht die Chemikalie im Verdacht, sich negativ auf unseren Hormonhaushalt auszuwirken. Die EU will daher zum Jahresende eine Liste von Produkten veröffentlichen, die Mikroplastik beinhalten oder bei der Produktion erzeugen.

Das Bundesumweltministerium begrüßt den Vorschlag des EU-Kommissars. Die Europäische Union sei der richtige Ort für diese Diskussion, so ein Sprecher von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Diese Idee müsse allerdings auch durch ein entsprechendes Gesetz umgesetzt werden.

Kritisiert wird der Vorschlag hingegen vom IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Ein generelles Verbot hält die IK für kontraproduktiv, da somit die Zukunft von Kunststoff in der Kreislaufwirtschaft gefährdet wird. Der Branchenverband fordert daher mehr Unterstützung im Kunststoffrecycling, damit Verpackungsmüll in Europa besser verwertet und nicht auf Mülldeponien beseitigt wird.

„Der Kommissar sollte sich die Frage stellen, wie seine Äußerung bei denjenigen ankommt, die gerade über Investitionen in recyclingfähige Verpackungen oder Recycling-Anlagen entscheiden wollen. Wenn die Politik die Kunststoffverpackungen von der Kreislaufwirtschaft ausschließt, bleiben diese dringend benötigten Investitionen mit Sicherheit aus“, kommentiert IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann.

Mit dem Vorstoß würde ebenfalls ein falsches Signal für Verbraucher gesetzt werden, da man eine einfache Lösung des Umwelt- und Klimaproblems suggeriere. Die Vorteile von Kunststoff bei der Lebensmittelsicherheit sowie den verringerten Energieverbrauch gegenüber der Produktion anderer Materialien würden nicht berücksichtigt. Die Vereinigung fordert daher eine Entscheidung auf Faktenlage und nicht auf Zeitgeistentwicklung.

Quelle: BVSE


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